Vom 1. bis 6. Juni 2026 öffnete die INTERSCHUTZ in Hannover unter dem Motto „Safeguarding tomorrow“ ihre Tore – mit ca. 140.000 Besuchern, über 1.600 Ausstellern aus mehr als 50 Nationen. Neben Themen wie Künstlicher Intelligenz, Höhenrettung und Bevölkerungsschutz war die Einsatzstellenhygiene erneut ein zentrales Querschnittsthema. Dieser Bericht fasst die wichtigsten Neuheiten und Trends im Bereich Kontaminationsvermeidung, Dekontamination und PSA-Aufbereitung zusammen, die auf der Messe vorgestellt wurden.
Bereits im Vorfeld kündigte die Deutsche Messe AG an, dass der Gesundheitsschutz der Einsatzkräfte einen Schwerpunkt der diesjährigen INTERSCHUTZ bilden würde. Projektleiter Thilo Horstmann betonte, ein wirksamer Schutz der Bevölkerung sei nur möglich, wenn auch die Retter selbst optimal geschützt seien. Angesichts des Klimawandels und zunehmend längerer Einsätze lag der Fokus dabei verstärkt auf Materialien und Konzepten, die die körperliche Belastung der Einsatzkräfte reduzieren und Kontaminationsverschleppung wirksam unterbinden.
Auffällig war, dass das Thema nicht nur von Herstellern, sondern auch „aus der Praxis für die Praxis“ präsentiert wurde: Mehrere Feuerwehren zeigten ihre selbst entwickelten Hygienekonzepte direkt am Exponat und standen für den fachlichen Austausch mit internationalem Publikum zur Verfügung.
Großen Anklang fand der Auftritt der Hygiene-Einheit der Freiwilligen Feuerwehr der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, die als „ideeller Aussteller“ auf dem Freigelände der Messe vertreten war. Im Mittelpunkt stand der seit Oktober 2023 im Regelbetrieb eingesetzte Hygieneanhänger der Firma deconta, der dort exakt so aufgebaut wurde, wie es auch im realen Einsatzfall geschieht.
Das System basiert auf dem deco mobil C-Konzept und verfügt über ein Mehrkammersystem mit konsequenter Schwarz-Weiß-Trennung: Im Schwarzbereich erfolgt der PSA-Auswurf inklusive entnehmbarer Stiefelwaschanlage, anschließend folgen Duschraum, Ankleideraum mit Wechselkleidung und ein Weißraum mit Regalsystem. Technisch ausgestattet ist der Anhänger unter anderem mit einer Warmwasserbereitung, einem Abwasserfiltersystem mit Tank sowie einem Unterdruckhaltegerät mit HEPA-13/14-Filtration zur sicheren Aufnahme von Gefahrstoffen – auch im Hinblick auf Asbestbelastungen bei Innenangriffen.
Aus Sicht der Bevensen-Ebstorfer Einsatzkräfte war besonders das Interesse anderer Feuerwehren bemerkenswert: Häufig gestellte Fragen betrafen die Akzeptanz des Konzepts in der eigenen Mannschaft, die praktische Einführung im Wehralltag und die Möglichkeit, das zugrunde liegende Konzept für die eigene Feuerwehr zu übernehmen. Deconta selbst würdigte den Auftritt als einzige praxisnahe Live-Demonstration zum Thema Einsatzstellenhygiene auf der gesamten Messe.
Der Gerätewagen Hygiene bleibt der zweite tragende Pfeiler kommunaler Hygienekonzepte neben dem Anhängersystem. Anders als der mobile Dekontaminationsanhänger ist der GW-Hygiene als eigenständiges Fahrzeug konzipiert, das Einsatzkräfte direkt an der Einsatzstelle mit frischer Einsatzkleidung versorgt und so eine Kontaminationsverschleppung in Fahrzeuge oder Feuerwehrhäuser verhindert.
Der auf Atemschutzwerkstätten spezialisierte Maschinenbauer Meiko präsentierte sich gleich an drei Standorten der Messe. In Halle 14 wurde der jüngste Neuzugang der TopClean-Produktfamilie zur Reinigung und Desinfektion von Atemschutztechnik und weiterer PSA vorgestellt, ergänzt um neue Funktionen bestehender Maschinen. Erstmals zeigte Meiko zudem mobile Reinigungslösungen, die im Außenbereich zwischen den Hallen 11 und 12 sowie beim Sportwettkampf FireFit Europe zu sehen waren – ein Hinweis darauf, dass die Aufbereitung zunehmend näher an die Einsatzstelle heranrückt.
Mit dem OSMA Talent 2000 stellte der Hersteller ein neues All-in-One-System mit robuster Edelstahltechnik für lange Einsatzdauer vor. In einer Waschkammer werden Masken, Atemschutzflaschen oder Tragegurte an einer rotierenden, vertikalen Befestigungsstange fixiert, während leistungsstarke Düsen die Reinigungsflüssigkeit aus verschiedenen Richtungen verteilen und so auch schwer zugängliche Bereiche der Ausrüstung erreichen. Der Reinigungsablauf lässt sich über frei wählbare oder voreingestellte Programme mit Vorwäsche, Hauptwäsche, Desinfektion, Spülung und Trocknung steuern.
Auch etablierte Anbieter aus dem Bereich der Geräteprüfung und -pflege griffen das Thema auf: Bockermann Wilhelm, seit rund 100 Jahren auf Schlauchpflegesysteme spezialisiert, stellte heraus, dass Hygienekonzepte und die Schwarz-Weiß-Trennung in Gerätehäusern zunehmend an Bedeutung gewinnen, und zeigte ergänzend Lösungen zur gründlichen Reinigung von Feuerwehrstiefeln direkt an der Einsatzstelle.
Bei der persönlichen Schutzausrüstung selbst war ein klarer Trend zu vernetzter Sensorik, partikelabschirmenden Materialien und leichterer Ergonomie erkennbar. Haix kündigte neue Stiefelmodelle mit individuellen Verschluss- und Passformsystemen an, während Arclin auf dem Freigelände mit einem sensorbestückten „Thermo-Man“ die Belastbarkeit von Hochleistungsfasern wie Nomex und Kevlar unter Flash-Fire-Bedingungen demonstrierte. TEXPORT kündigte eine als „Next-Generation-Lösung“ beschriebene Neuentwicklung für extreme Einsatzbedingungen an, GORE-TEX präsentierte eine Konzeptstudie für modulare Einsatzkleidung mit zwei kombinierbaren Bekleidungslagen.
Hygienisch besonders relevant bleibt die Diskussion um per- und polyfluorierte Chemikalien (PFAS): Auf der parallel laufenden Techtextil-Messe in Frankfurt dominierten PFAS-freie Performance-Textilien und Recyclinglösungen die Stände, wobei ausdrücklich auf Ausnahmeregelungen für Feuerwehrschutzanzüge verwiesen wurde, die weiterhin eine hohe Chemikalien-, Öl- und Lösungsmittelbeständigkeit benötigen. Für die Einsatzhygiene bedeutet das: Auch ohne PFAS bleibt die korrekte Trennung, Reinigung und Pflege kontaminierter PSA der entscheidende Hebel zur Reduktion der Schadstoffbelastung.
Ergänzend zu den technischen Neuheiten lohnt der Blick auf die Aufklärungsarbeit von FeuerKrebs gUG, die sich seit Jahren für die Gesundheits- und Arbeitsbedingungen von rund 1,2 Millionen Feuerwehrleuten in Deutschland einsetzt. Die Organisation verfolgt drei Säulen: die Verbesserung der Gesundheits- und Arbeitsbedingungen im Dialog mit Herstellern und Feuerwehren, den Austausch zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachleuten sowie die Unterstützung erkrankter Einsatzkräfte. Mit dem Fachbuch „Einsatzhygiene“ hat FeuerKrebs zudem ein praxisnahes Nachschlagewerk veröffentlicht, das Hygiene-Definitionen, rechtliche Hintergründe und konkrete Verhaltensregeln für Brand- und Hilfeleistungseinsätze vermittelt – eine sinnvolle Ergänzung zu den auf der Messe gezeigten technischen Lösungen.
Die auf der Messe gezeigten Systeme setzen durchgängig auf dasselbe Grundprinzip: die konsequente Trennung von kontaminiertem („schwarzem“) und sauberem („weißem“) Bereich, um eine Verschleppung gesundheitsgefährdender Stoffe über Atemwege, Nahrung oder Haut zu verhindern. Vertiefende fachliche Grundlagen hierzu liefert die DGUV Information 205-035 „Hygiene und Kontaminationsvermeidung bei der Feuerwehr“, die als anerkannter Standard für die Ausgestaltung kommunaler Hygienekonzepte gilt.
Die INTERSCHUTZ 2026 bestätigt: Einsatzstellenhygiene ist längst kein Nischenthema mehr, sondern fester Bestandteil moderner Gefahrenabwehr. Für Feuerwehren, die ihr eigenes Hygienekonzept überprüfen oder weiterentwickeln möchten, ergeben sich aus der Messe einige klare Anknüpfungspunkte:
Freuen wir uns auf eine Interschutz vom 20.Mai bis 26.Mai 2030 in Hannover!