Vegetations- und Waldbrände stellen Einsatzkräfte vor zunehmend komplexe Herausforderungen. Neben der unmittelbaren Brandbekämpfung rücken gesundheitliche Risiken durch Rauch, Hitze und physische Belastung immer stärker in den Fokus. Aktuelle arbeitsmedizinische und epidemiologische Erkenntnisse zeigen, dass insbesondere der Rauch von Vegetationsbränden eine erhebliche, bislang unterschätzte Gefahr darstellt. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Einsatzhygiene als präventives Instrument des Arbeits- und Gesundheitsschutzes eine zentrale Bedeutung.
Der Klimawandel führt auch in Mitteleuropa zu längeren Trockenperioden, steigenden Temperaturen und damit zu einer Zunahme von Vegetations- und Waldbränden. Für Einsatzkräfte bedeutet dies längere Einsatzzeiten, größere Einsatzgebiete und häufigere Exposition gegenüber Brandrauch. Anders als bei klassischen Innenraumbränden erfolgt die Brandbekämpfung bei Vegetationsbränden meist ohne durchgehenden umluftunabhängigen Atemschutz. Dadurch entsteht eine spezifische arbeitsmedizinische Gefährdung, die sich deutlich von der klassischen Brandbekämpfung unterscheidet .
Brandrauch aus Vegetations- und Waldbränden ist ein komplexes Gemisch aus gasförmigen und partikulären Schadstoffen. Dazu zählen insbesondere Feinstaub (PM2.5), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), flüchtige organische Verbindungen (VOC) sowie Reizgase. Viele dieser Stoffe besitzen toxische, mutagene oder kanzerogene Eigenschaften. Neuere arbeitsmedizinische Untersuchungen des Instituts für Prävention und Arbeitsmedizin (IPA) zeigen, dass diese Stoffe nicht nur inhalativ aufgenommen werden, sondern auch zu einer messbaren inneren Belastung der Einsatzkräfte führen können, nachgewiesen mittels Human-Biomonitoring .
Besonders kritisch ist dabei der Feinstaub PM2.5. Dieser kann tief in die Lunge eindringen, die alveoläre Barriere überwinden und systemische Effekte auslösen. Eine von der CTIF aufgegriffene großangelegte europäische Studie weist darauf hin, dass Waldbrandrauch gesundheitlich deutlich schädlicher ist als vergleichbare Feinstaubbelastungen aus urbanen oder industriellen Quellen. Die gesundheitsbezogenen Risiken wurden dabei um rund 93 % höher eingeschätzt als in früheren Modellen angenommen .
Während für Innenangriffe umfangreiche Schutzkonzepte etabliert sind, bestehen bei Vegetationsbränden nach wie vor erhebliche Wissenslücken. Die vom IPA durchgeführten Studien zeigen, dass Einsatzkräfte nach Brandeinsätzen erhöhte Konzentrationen von PAK-Metaboliten im Blut oder Urin aufweisen können. Dies belegt eine relevante innere Exposition selbst dann, wenn äußerlich keine akuten Symptome auftreten .
Besonders relevant ist hierbei, dass die Exposition nicht ausschließlich im unmittelbaren Brandbereich erfolgt. Auch Tätigkeiten wie Nachlöscharbeiten, Einsatzleitung oder Logistik können mit signifikanter Rauchbelastung einhergehen. Die kumulative Wirkung wiederholter Einsätze stellt aus einsatzhygienischer Sicht ein erhebliches Langzeitrisiko dar.
Neben der chemischen Exposition spielt die physische Belastung eine entscheidende Rolle. Vegetationsbrände erfordern oft schwere körperliche Arbeit unter Hitzestress, mit begrenzten Erholungsphasen. Studien des IPA erfassen daher parallel zur Schadstoffexposition auch physiologische Parameter wie Herzfrequenz und Körpertemperatur. Die Kombination aus toxischer Exposition, Hitze und hoher körperlicher Belastung kann synergistische negative Effekte auf das Herz-Kreislauf-System haben und die Regenerationsfähigkeit der Einsatzkräfte deutlich beeinträchtigen .
Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse kommt der Einsatzhygiene eine Schlüsselrolle zu. Ziel der Einsatzhygiene ist es, die Aufnahme von Schadstoffen zu minimieren, Verschleppungen zu vermeiden und langfristige Gesundheitsschäden zu verhindern. Zentrale Maßnahmen sind:
Die von der CTIF vorgestellten Ergebnisse unterstreichen, dass bestehende Risikomodelle die Gefährlichkeit von Waldbrandrauch bislang unterschätzt haben. Für Einsatzkräfte bedeutet dies, dass bisher als „vertretbar“ angesehene Expositionssituationen neu bewertet werden müssen. Einsatzhygiene darf sich daher nicht allein an akuten Grenzwerten orientieren, sondern muss präventiv auch potenzielle Langzeitfolgen berücksichtigen .
In Deutschland fehlen bislang systematische, flächendeckende Daten zur Exposition von Einsatzkräften bei Vegetationsbränden. Forschungsprojekte wie das „Feuerwehr ExpoScreening“ des IPA sind wichtige Schritte, um belastbare Grundlagen für neue Schutzkonzepte zu schaffen. Langfristig erforderlich sind zudem europaweit harmonisierte Standards zur Bewertung von Rauchtoxizität, zur Einsatzhygiene und zum arbeitsmedizinischen Monitoring von Einsatzkräften.

Vegetations- und Waldbrände stellen nicht nur eine taktische, sondern zunehmend eine arbeitsmedizinische Herausforderung dar. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass der Rauch solcher Brände deutlich gesundheitsschädlicher ist als lange angenommen und dass Einsatzkräfte einer relevanten inneren Exposition ausgesetzt sind. Einsatzhygiene ist daher kein nachrangiger Aspekt, sondern ein zentrales Element des modernen Einsatzschutzes. Nur durch eine Kombination aus technischer, organisatorischer und personenbezogener Prävention lässt sich die Gesundheit der Einsatzkräfte langfristig sichern und die Einsatzfähigkeit auch unter veränderten klimatischen Bedingungen erhalten.
LINK: DGUV IPA Aktuell Nr.19 - Vegetationsbrandbekämpfung durch Feuerwehreinsatzkräfte
LINK: CTIF - Neue Studie besagt, dass der Rauch von Waldbränden die menschliche Gesundheit viel stärker beeinträchtigt als bisher angenommen